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2017-09-16_16-07-59_5G4A2746Welche Erfahrungen aus Gemeinschaften können zur nachhaltigen Dorfentwicklung in Deutschland beitragen, wie können ein gewachsenes Dorf und eine bewusst gegründete Gemeinschaft voneinander lernen, und welche Verbindungen entstehen bei allen Unterschieden?

Seit April 2017 gehen wir mit GEN-Deutschland, finanziert durch das Umweltbundesamt, diesen Fragen nach. Im Rahmen des „Modellprojekt zukunftsfähige Dörfer“ kooperiert der Tempelhof mit dem 600-Einwohner Dorf Hülen in der Stadtgemeinde Lauchheim, nahe Aalen. Im Zentrum steht dabei ein Bürgerbeteiligungsprozess in Hülen zur Entwicklung eines Planes für die nachhaltige Dorfentwicklung. Erfahrene Tempelhofer ModeratorInnen begleiten diesen Prozess und bringen dabei auch Impulse aus dem GEN-Netzwerk zur ökologischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit mit ein.

Mit einigen gut besuchten Workshops mit den sehr engagierten Hülener BürgerInnen ist das Projekt gut angelaufen, die Ergebnisse der Bestandsaufnahme zur Nachhaltigkeit sowohl in Hülen als auch am Tempelhof werden im November in einer Zwischenpräsentation vorgestellt, gemeinsam mit den vier weiteren Kooperationspaaren des Projektes, bestehend aus jeweils einer GEN-Gemeinschaft und einem Dorf aus deren Umland.

2017-09-16_17-15-31_5G4A2774Für beide Seiten ist das auch Neuland – besonders spannend ist neben der inhaltlichen Arbeit daher natürlich die offene und respektvolle Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Dörfern und ihren „Kulturen“, und der Aufbau von Vertrauen und einer guten Zusammenarbeit. Der beste Weg, sich kennenzulernen, ist natürlich die konkrete Erfahrung – daher haben wir nun die interessierten HülenerInnen zu einem Besuch am Tempelhof eingeladen.

Für die Lauchheimer Bürgermeisterin Andrea Schnele und der Hülener Ortsvorsteher Andreas Walter, die das Projekt engagiert unterstützen und vorantreiben, war dieser Besuch ein großes Anliegen, auch weil es ja bei der Begegnung mit Unbekanntem auch Vorbehalte geben kann. „Ist das auch keine Sekte?“ war zwar sicherlich kein häufiger Gedanke in Hülen, jedoch hatten die meisten Menschen bisher keine Berührungspunkte mit Ökodörfern oder ähnlichen Gemeinschaftsformen.

Mit einem von der Stadt Lauchheim eigens gemieteten Bus kamen am 16.09. nun also mehr als 30 offenen und neugierige HülenerInnen verschiedenster Altersgruppen an den Tempelhof, um bei einem Rundgang das Gelände und unsere Geschichte kennenzulernen und in einer Gesprächsrunde mit einigen Tempelhofern mehr über unsere Strukturen, die gemeinsame Entscheidungsfindung, und das alltägliche Zusammenleben zu erfahren. Besonders schön war es, dass unser Kreßberger Bürgermeister Herr Fischer sich ebenfalls die Zeit genommen hat, hinzuzukommen und mit seiner Lauchheimer Kollegin seinen persönlichen, sehr wertschätzenden Eindruck von uns als Gemeinschaft zu teilen.

2017-09-16_18-12-39_5G4A2818Diese hatte eine besondere Herausforderung zu bestreiten – die Auswahl des richtigen Gastgeschenkes für eine Gemeinschaft. Unter fröhlichem Gelächter schilderte Frau Schnele Ihre Ratlosigkeit, nun die mitgebrachten 8 schönen Lauchheimer Handtücher und den Wasserball für die Kinder (“Mir wurde ja gesagt, 50 Bälle für alle Kinder darf ich nicht mitbringen“) unter den vielen anwesenden Tempelhofern aufzuteilen. Über den ganzen Nachmittag war die Stimmung immer herzlicher geworden und bei einem gemeinsamen Abendessen mit der Gemeinschaft wurden viele Themen wie die Landwirtschaft oder Obstbaumpflege oder das Thema Alt werden im Dorf an den Tischen weiterbewegt, und natürlich die guten Nahrungsmittel aus der Tempelhofer Gärtnerei und Küche genossen und gelobt.

Wir freuen uns auf die weitere Vertiefung der Beziehungen mit der Hülener Dorfgemeinschaft, auch über das Ende der Projektlaufzeit im Herbst 2018 hinaus. Ideen wie gemeinsame Auftritte der Dorfchöre nehmen bereits Gestalt an, und ein kleiner Teil unseres aktuellen Ernteüberschusses an Karotten und Kartoffeln wird ebenfalls nach Hülen geliefert werden – ein schöner Anfang ist gelegt.