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Von Anfang an war uns in der Schule der Austausch mit Schulen anderer Länder ein Anliegen. Zur Verbindung mit der Brockwood Park School kam es dann eher zufällig. Einer unserer Lernbegleiter, Torsten Wiersberg, hatte dort eine Zeit lang als „mature student“ mitgearbeitet. Durch ihn kam es zu der Verbindung mit dieser Schule.

Surely a school is a place where one learns about the totality, the wholeness of life. Academic excellence is absolutely necessary, but a school includes much more than that. It is a place where both the teacher and the taught explore not only the outer world, the world of knowledge, but also their own thinking, their own behavior.
J. Krishnamurti

Die internationale Internatsschule Brockwood Park, südlich von London, wurde 1969 von dem Erzieher und Philosophen J. Krishnamurti (1895-1986) gegründet.

Die ungefähr 60 SchülerInnen im Alter von 14 bis19 Jahren kommen aus mehr als 30 Ländern. Die kulturelle Mischung schafft Möglichkeiten, andere Sprachen zu lernen und internationale Freundschaften zu schließen.

Mature students sind junge Erwachsene, die gegen Kost und Logis an der Schule mitarbeiten. Für die SchülerInnen sind sie wichtige Mittlerpersonen in der Position zwischen MitschülerInnen und den LehrerInnen.

Letztes Jahr waren Eika Bindgen, Geschäftsführerin unserer Schule, und Torsten mit drei Schülerinnen, Katharina, Annika und Johanna, dort eine Woche zu Besuch (s. Bild oben von links nach rechts). Diese Truppe hatte mit der Präsentation der Tempelhofer Schule so einen Eindruck hinterlassen, dass unmittelbar danach einige LehrerInnen der Brockwood Park School unsere Schule besuchten. Auch Gopal Krishnamurty, der dortige Schulleiter, war schon hier. Beide Schulen lernen voneinander. Zwischen der grundstiftung am Tempelhof und der Stiftung der Brockwood Park School sind ebenfalls intensive Kontakte entstanden.

Annika, 16 Jahre, wird nach ihrem Realschulabschluss, den sie in diesen Tagen gerade macht, für ein Jahr nach Brockwood gehen. „Ich seh für meine Entfaltung dort Megachancen“, sagt sie. Und der pädagogische Ansatz, die Spiritualität zieht sie an, sie möchte vielleicht selber einmal Lehrerin werden.

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Nils

Nils, ebenfalls 16 Jahre, ist schon seit Anfang des Jahres dort. Er plante zunächst ein paar Monate, jetzt spricht er davon, dass er noch zwei Jahre bleiben möchte.

Gefragt danach, was diese Schule für sie so anziehend macht, kommen beide sofort auf die besondere Atmosphäre dort zu sprechen: Des Ortes mit dem alten Herrenhaus und der Natur, aber auch des Miteinanders der Menschen. Das hat mich besonders interessiert – was hat Brockwood, was wir am Tempelhof nicht haben? Ich habe Nils bei seinem Heimatbesuch in den Osterferien dazu befragt. „Es ist wie 60 beste Freunde an einem Platz“- so sein Empfinden, „wie eine einzige große Familie“. Ah ja – hier am Tempelhof haben wir alle auch ein Eigenleben, manchmal recht intensiv, wenn persönliche Prozesse uns beschäftigen. In Brockwood, so beobachtet Nils, , „führt keiner ein Eigenleben, sondern jeder führt mit den anderen sein Leben“. Es ist eine Internatsschule, die LehrerInnen und Lehrer wohnen auch dort und sind für die jungen Menschen immer da. Im Grunde haben sie kein Privatleben – das hat seinen Preis und deswegen bleiben viele von ihnen auch nur einige Jahre. Dass es eine Krishnamurtischule ist, die einen spirituellen Hintergrund hat – das war für Nils zunächst nicht entscheidend. Wie viele Jugendliche hier am Tempelhof findet er, dass es in unserer Gemeinschaft zu wenig andere Jugendliche gibt und das war der Hauptgrund für seine Entscheidung. Jetzt erzählt er, dass er jeden Morgen zur „morning silence“ geht, das ist freiwillig, und dass ihm ein fester Rhythmus hilft, in den Tag zu kommen.

Die Schultage sind zeitlich straff durchorganisiert, so kenne ich das aus spirituellen Retreats. Mich wundert, dass SchülerInnen aus unserer Schule dies mögen. Vielleicht hilft in einer Lebensphase, wo es um die Entwicklung innerer Freiheit geht, eine festere äußere Struktur? Ich bin gespannt auf die Impulse, die Nils und Annika in unsere Schule und die Gemeinschaft insgesamt hineintragen – und auch, was Brockwood und Tempelhof im Erforschen der jeweils anderen Gemeinschaft über sich selbst herausfinden.

Die grund-stiftung am Schloss Tempelhof hat mit dem Projekt Lebensschule einen Spendentopf kreiert, der jungen Menschen ermöglicht, nach Antrag und Gespräch Lebenswege auszuprobieren und auch andere Schulen in Europa (z.B. auch Brockwood) zu besuchen. Dabei ist es der grund-stiftung wichtig, dass die jungen Menschen ihre Erfahrungen am Ende dokumentieren und auch anderen Jugendlichen zugänglich machen (z.B. über einen öffentlichen Vortrag). Außerdem sollen sie vorschlagen, welchen Einsatz sie selber später einmal, sollte ihr Lebensweg es ihnen ermöglichen, für jungen Menschen einbringen werden.

Bei Interesse am Projekt Lebensschule (Spenden, Zustiftung oder Förderantrag) bitte eine Email an: wolfgang.sechser@grund-stiftung.org

 

In England erhalten Privatschulen keinerlei staatliche Förderung, daher ist das Schulgeld ziemlich hoch. Ein Schuljahr kostet dort rund 28 000 Euro. Die Aufenthalte von Nils und Annika werden aktuell durch die neu entstandene Lebensschule in der grundstiftung am Tempelhof gefördert, aber es braucht natürlich auch Unterstützung aus dem Familienkreis und der Wahlfamilie “Tempelhofer”.

Wer sich eingeladen fühlt, solche Schulaufenthalte zu unterstützen, kann sich gerne an unsere Schule wenden (schule@schloss-tempelhof.de).

MarieLuise Stiefel