Adda Klaiber 18. Mai 1947 – 19. August 2026
„Heimat ist da, wo Menschen um ein Trauerfeuer sitzen, wenn du gegangen bist“.
Dieser Satz kam mir, als wir nach Addas Tod am späten Nachmittag des 19. August , unter dem Mandaladach im Zentrum des Tempelfeldes um ein Trauerfeuer saßen. Ein Kind hatte die Feuerstelle für Addas „Geburtstag“ mit Blüten geschmückt. Die Zeit schien langsamer geworden. Stille – hin und wieder unterbrochen durch eine leise gesprochene Erinnerung, ein Lied, ein paar gedankenvolle Sätze. Stilles Weinen und herzliches Lachen. Alle Generationen waren versammelt, Kinder ganz selbstverständlich dabei. Nebenan, in ihrem kleinen Wabenhäuschen, lag Adda. Tot und anwesend. Mit einem unvergleichlichen Ausdruck von Einverstandensein auf ihrem Gesicht. Immer saß jemand an ihrem Bett, nahm still Abschied und reihte sich wieder am Feuer ein. Addas Kinder, die nicht am Tempelhof leben, waren selbstverständlicher Teil der Runde. Wir hörten von der Adda, die sie ihren Kindern war. Uns war sie ja nur aus den Jahren in unserer Gemeinschaft vertraut.
Adda ist 79 Jahre alt geworden. Bei unserer Gemeinschaftsjubiläumsfeier am 21. Dezember hatte sie noch einen ihrer legendären Auftritte als Putzfrau. Tage später, während sie Weihnachten in der Familie ihrer ältesten Tochter verbrachte, erfuhr sie von Tumoren im Kopf. Von da an schritt die Krankheit schnell voran, breitete sich weiter im Körper aus. Und das Erstaunliche: Adda schien gelassen. Ich hörte sie nicht über die Krankheit klagen. „Meine Seele hat einen Plan. Ich kenne ihn nur nicht“ – dies von ihr zu hören, hat es mir leicht gemacht, in ihrer Gegenwart zu sein.

Da sie einverstanden war, war ich es auch. Natürlich hatte sie furchtbare Schmerzen – und es war ein wirklicher Segen, dass es in unserer Region eine ambulante Palliativversorgung gibt, die den Krankheits- und Sterbeprozess in Addas Zuhause begleitete und immer verfügbar war, wenn es die Situation erforderte.
Adda war im Juni 2010 zum Tempelhof gekommen und rasch entschieden, dies sei ihre Gemeinschaft. Noch bevor das Areal gekauft war, verbrachte sie hier viel Zeit, hat geputzt, geputzt und nochmal geputzt (die Häuser hatten ja jahrelang leer gestanden) und sich um das Essen für die Handwerker gekümmert, die schon mal mit Renovieren begonnen hatten.
Das „Sich kümmern“ schien ihr, der ehemaligen Krankenschwester, im Blut zu liegen. Sie kümmerte sich um unseren Medizinraum und wann immer jemand krank war: Auf Adda war Verlass.


Nicht nur in der Großfamilie des Tempelfeldes hatte sie den Platz der Großmutter. Für viele unserer Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sie dazu beigetragen, dass diese sich als „Dorfkind“ fühlen durften, wie es eine von ihnen ausdrückte. Adda ging ganz leicht mit jungen Menschen in Kontakt, hatte immer Interesse an ihrem Weg, stellte unbefangen Fragen und gab jedem das Gefühl, besonders zu sein. Und leistete unendlich viele Fahrdienste für Groß und Klein.
Es bleibt von ihr der Eindruck, dass sie mit wachem Geist das Wohl des Ganzen unauffällig im Blick hatte und, wenn sie es war, die einen Beitrag dazu geben konnte, dies großzügig tat. Sie verkörperte auch die Gastfreundschaft am Tempelhof – mit ihrem Interesse an Menschen und ihrer herzlichen und fröhlichen Art und ihrer Lust am Leben. Wo getanzt oder gesungen wurde, war Adda. Selbst bei einer Tanzperformance hatte sie mit 77 noch mitgewirkt.


Neben allem Sonnigen war Adda auch so etwas wie die Inkarnation des Ordnungssinnes am Tempelhof und konnte wunderbar nörgeln. Und weil sie wusste, dass mit Vorwürfen und Erziehungsversuchen nichts zu erreichen ist, versuchte sie, ihre Klagen humorvoll einzukleiden – das hat die Ansprachen verlängert, aber nicht unbedingt beliebter gemacht. Mit ihren Auftritten als Putzfrau bei irgendwelchen Festen nahm sie sich dann gern selber auf die Schippe.
Im übrigen war Adda eine Frau mit neugierigem Aufbruchsgeist, für alle Art von Abenteuer zu haben und zielstrebig, wenn sie etwas wollte. Dies führte zu zwei großen Veränderungen in ihrem Tempelhofleben. Als das Tempelfeld mit dem Earthship als soziales Experiment entstand, war Adda entschieden: Da will ich dabei sein. Dafür ließ sie sich ein kleines Haus dort bauen. Die andere Veränderung entsprang ihrem Willen, noch einmal einen Lebensgefährten zu haben. So kam Wilhelm zu uns. Die beiden sind Protagonisten in einem Film über das Experiment rund um das Earthship und hier kann man beiden begegnen:https://www.ardmediathek.de/video/ard-room-tour/earthship-nachhaltiges-leben-in-gemeinschaft/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE2NjI3Nzc
In diesem Feld – der Großfamilie am Tempelfeld, dem Gefährten Wilhelm, der sie voller Hingabe gepflegt hatte, der großen Gemeinschaft darum herum und zeitweise begleitet von ihren Kindern Jana, Roman und Corinna, ist Addas erfülltes Leben ausgeklungen. Ihr Geist ist jedoch spürbar. Adda hat unseren Gemeinschaftskörper mitgeprägt.
Am 3. Oktober haben Addas Familie, ihre zahlreichen Freunde und Verwandten und wir vom Tempelhof in einer Trauerfeier in unserer Kapelle Adda noch einmal in unsere Mitte genommen, Erinnerungen geteilt und ihr Leben gewürdigt.
Die Feier endete, wie wir Adda erlebt haben: mit einem fröhlichen Lied:
„Learn to live your life with all your heart and all your soul and all your mind and love all humankind as you would love yourself.”
Für die Gemeinschaft: MarieLuise Stiefel






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