Am 21. Dezember haben wir unsere ersten 15 Jahre gefeiert, in der Winterintensivzeit den Boden bereitet für das, was kommen mag – die nächsten 5, 10, 15 Jahre. Nein, einen 15-Jahre-Plan haben wir nicht aufgestellt, auch keine Vision erträumt. Im Miteinander war jedoch eine Dichte der Begegnung spürbar geworden wie noch nie. Immer wieder gab es so etwas wie „heilige“ Momente, in denen das Gute, das Wahre, das Schöne berührt worden war. Wir wurden uns eines deutlichen Wandels gewahr. Der Boden, auf dem wir unsere Spuren in die Zukunft bahnen, fühlt sich anders an – geerdeter, verbundener, eingebettet in ein großes Ganzes.
Rückblick
Nur etwa ein Fünftel der heutigen Tempelhofgemeinschaft hat die Anfänge miterlebt – die vorbereitenden Jahre in München und die Inbesitznahme dieses 30 ha- Areals, eine Ansammlung Vandalismus gezeichneter baulicher Zweckmäßigkeiten, denkmalgeschützter Historie und ausgelaugter Böden.
Unsere Gründer erzählten, ihnen sei von kundigen Seiten abgeraten worden, hier her zu ziehen. Was für ein Vertrauen in den Ruf, was für eine Visionskraft war da im Spiel, es dennoch zu tun!


Was uns im Alltag heute so selbstverständlich vorkommt – Versorgung mit hochqualitativem Essen, die Schönheit am Platz, ein wasserdichtes Dach überm Kopf, Wärme in der Wohnung und funktionierende Toiletten, unsere Betriebe, die vielen Arbeitsplätze, eine professionelle Verwaltung – das alles ist in den 15 Jahren durch uns erst entstanden.
Bei unserer Erinnerungsmatinee am 21. Dezember lauschten wir den Erzählungen aus der „Vorzeit“, den Münchener Jahren der Vorbereitung bis zum Kauf des Areals. Auf einer Zeitachse vollzogen wir gemeinsam nach, wie dann Jahr für Jahr neue Menschen, neue Projekte, neue Aktivitäten, besondere Ereignisse dazu kamen, Kinder geboren wurden und Weggefährten gegangen sind. Als dies alles gesprochen und gesehen worden war, sagte Eika Bindgen, die zusammen mit Meike Selig die Matinee moderierte, zur Gruppe der Gründungspioniere: „Schaut, dies alles ist durch euch entstanden“. Die tiefe Stille, die sich daraufhin im Raum ausbreitete, war einer dieser heiligen Momente.
Würdigung der Gründer
Die Gruppe der Münchener Gründungspioniere ist vielfältig – eine besondere Rolle spielen jedoch Agnes Schuster, Roman Huber und Wolfgang Sechser.

Wenn wir von unseren Gründern sprechen, meinen wir diese drei. Mit diesen in ihrer Persönlichkeit so verschiedenen Menschen hat die Gemeinschaft Tempelhof eine dreifache Quelle. Kein Wunder, dass sich ein so starker Manifestationsfluss von München bis knapp über die Grenze von Bayern ins Hohenlohische geschoben hat! Ihre Visionskraft und Ausrichtung, ihr für drei Jahre vereinbartes Commitment, auch bei den allergrößten Schwierigkeiten zusammen und am Ball zu bleiben, und die viele Lebenszeit und Kraft, die sie in dieses Gemeinschaftsprojekt geschenkt haben, waren in den Anfangsjahren tragende, bündelnde und vorwärtstreibende Kräfte.
Auch die anderen aus der Münchener Gründungsgruppe, die mitgegangen sind, sich in die Herausforderungen der Anfänge gestürzt haben und heute immer noch hier leben, sollen nun einmal namentlich genannt werden: Susanne Drothler, Maria Keil, Claus R., Evelyne Wagner, Peter Hönigschmidt, Ingrid Sikora, Michael Triefenbach, Gabriele Gleixner. Angesichts dessen, was sie an einem wintergrauen, feuchtkalten Februartag im Jahr 2010 beim ersten Besuch des Areals vorgefunden haben, kann man nicht genug würdigen, dass sie ins Ungewisse gesprungen und die Schönheit von Oberbayern verlassen haben. Sieben weitere Personen waren damals noch dabei, die später jedoch weitergezogen sind.

Kulturwandel
Gemeinschaftsgründung ist kein demokratischer Akt – wie auch, eine echte Gründungsvision entspringt einem Lebensimpuls, der nicht verhandelbar ist. Ja, in den Anfängen ging viel Ausrichtungs- und Gestaltungskraft vom Gründertrio aus, auch wenn von Anfang an All Leadership und Vielfalt Teil der Vision war und die Entscheidungsstrukturen auf eine Verantwortungsgemeinschaft angelegt waren. Das hatte in den ersten Jahren immer wieder für Konfliktstoff gesorgt. Wir alle lernten ja erst allmählich, in All Leadership hineinzuwachsen und einen guten Umgang mit der Vielfalt zu finden. Die einen haben mit der Zeit immer mehr Verantwortung losgelassen, die anderen immer mehr Verantwortung genommen. Beim gemeinsamen Rückblick auf unsere noch junge Geschichte und in der dann folgenden Intensivzeit zu Beginn des Jahres war deutlich spürbar: Nun haben nachfolgende Generationen die tragenden Rollen genommen.
Die einen haben mit der Zeit immer mehr Verantwortung losgelassen, die anderen immer mehr Verantwortung genommen. Beim gemeinsamen Rückblick auf unsere noch junge Geschichte und in der dann folgenden Intensivzeit zu Beginn des Jahres war deutlich spürbar: Nun haben nachfolgende Generationen die tragenden Rollen genommen.

Der Übergang von der Gründungs- und Aufbauphase in die Normalität einer Verantwortungsgemeinschaft von Vielen ist gelungen. Gele Schiesser, eine aus dieser nachgewachsenen Generation und im Raumhalterteam der Intensivzeit, drückte dies am Ende so aus: „Wenn ich meinen Platz einnehme, kann ich Vielfalt genießen“.
Dieser Übergang vollzog sich – organisatorisch und energetisch – schrittweise und organisch über die Jahre. Haben wir versucht, „am Gras zu ziehen“, hat es meist nicht funktioniert. Ich meine, in der Kombination von Arbeiten an unseren Kommunikationsgewohnheiten, von fest etablierten Sozialprozessen und unseren Entscheidungsstrukturen ist es Teil unserer Kultur geworden, auf „Stimmigkeit“ zu lauschen: „Was stimmt jetzt“? Das hat den Weg gebahnt.
Fazit am Ende unserer Winterintensivzeit: Zukunftswerkstatt ist eigentlich Gegenwartswerkstatt.
Noch eine andere Ebene. „In den ersten 15 Jahren haben wir viel grobe Energie bewegt, jetzt geht es um die Pflege von feineren Energien“ – so hatte es einer von uns (Max Thulé) beim Rückblick auf die Anfangsjahre ausgedrückt. Der Vergleich von Fotos aus der Anfangszeit und von heute zeigt, wieviel Grobes wir bewegt, wieviel Feines wir geschaffen haben. Im Umgang miteinander sind wir ebenfalls feiner geworden.
Der Boden, auf dem wir weiter gehen
Vor zwei Jahren haben wir uns die Ausrichtung „Friedensdorf“ gegeben, aber damit waren wir noch nicht automatisch friedfertig. Nun, in diesen Intensivtagen zum Jahresbeginn, in denen wir auch über heikle, intime Themen wie Krankheit, Beheimatung, Spiritualität gesprochen haben, war so viel gelassene Friedfertigkeit wie noch nie. Ein Einverstanden Sein mit dem, was ist. Ohne die allgemeine Weltenlage auszublenden. Ohne schnelle Antworten.
Sind unsere inneren Pioniere altersmilde geworden? Haben wir uns und einander genügend vertraut gemacht, dass innere Schutz- und Abwehrmuster ihre Kraft verloren und dem Wesen (-tlichen) in der Begegnung Platz gemacht haben? Ist unser Gemeinschafts-Mycel zu einem so stabilen Vertrauensboden herangewachsen, dass Differenzen in den Sichtweisen offener gezeigt werden können, ohne um Beziehungen und Zugehörigkeit fürchten zu müssen? Vielleicht von allem etwas.
Ich habe in keinem Moment meines bisherigen Lebens so stark und mit so vielen Menschen erfahren, wie nährend Begegnungen von Mensch zu Mensch sind, wenn wir uns wirklich begegnen – in dem, was uns bewegt, in dem, was gerade ist. DAS also sind wir Menschen uns Menschen auch! Nicht Wolf. Sondern beste Medizin – sagte Paracelsus schon vor gut 1000 Jahren und fügte hinzu: „Der höchste Grad dieser Arznei ist die Liebe.“
Immer noch haben wir Grobes zu bewegen – Materie. Einige der historischen Gebäude sind noch nicht saniert. Unser Heizsystem muss weiterentwickelt werden. Wir stehen 2026 vor großen, millionenschweren Entscheidungen, die durchaus Spaltungspotential in sich bergen. Unser Eigenkapital ist weitgehend erschöpft. Finanztechnisches Neuland für uns.

„Wir waren experimentierfreudig und gleichzeitig konservativ“, erzählte Wolfgang bei unserer Erinnerungsmatinee über die Anfänge. Zwischen diesen Polen bewegen wir uns immer noch. Heute aber auf einem gewachsenen Boden von Verbundenheit unter uns und mit der Erde und mit guten Antennen „nach oben“. Egal, wie am Ende unsere Entscheidungen aussehen werden – ich glaube nicht, dass sie uns auseinanderbringen. Diese Zuversicht gibt mir die Begegnungskultur, die ich beim Rückblick auf unsere ersten 15 Jahre und in der darauffolgenden Winterintensivzeit erlebt habe. Um eine meiner Weggefährtinnen (Birgit Schaldecker) zu zitieren: „So lang wir im Kreis stehen und von dem sprechen, was uns wesentlich ist, habe ich das Vertrauen, dass wir das Leben meistern.“
MarieLuise Stiefel
PS: Der Inhalt dieses Textes ist ausschließlich unter Verwendung vom MI entstanden. (MaLu‘ s Intelligenz).






.jpg)
