Infopost extra: Herbstsymposium

„Geld, Sinn und Verantwortung: Wie kann Frieden gelingen?“

Veranstalter: Schloss Tempelhof e.V. und grund-stiftung am Schloss Tempelhof

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In einer immer komplexeren, abstrakteren Welt wächst die Sehnsucht nach Orientierung, echter Begegnung und gemeinschaftlicher Verantwortung. Wo ließe sich Sinn finden inmitten von Zahlen und Kontoständen? Könnte unser Umgang mit Geld uns vielleicht sogar näher zu uns selbst und zueinander bringen? Der Workshop „Geld, Sinn und Verantwortung“ lädt Sie ein, genau diesen Fragen nachzugehen und gemeinsam neue Perspektiven für ein sinnhaftes Leben in Verbundenheit zu entdecken.

Von der frühen Kooperation zur modernen Trennung

Unsere Geschichte beginnt nicht mit Konkurrenz und Isolation, sondern mit Kooperation. Neuere archäologische Forschungen zeichnen ein aufregend vielfältiges Bild der frühen Menschheit: Statt einer gradlinigen Entwicklung von „primitiven“ egalitären Stämmen hin zu Hierarchie und Staat zeigen Funde, dass die Vorzeit sozial vielgestaltig war. Über Jahrtausende organisierten Menschen ihr Zusammenleben immer wieder neu – mal egalitär, mal hierarchisch – und entschieden sich bewusst gegen dauerhafte Ungleichheit. Sie verstanden sich als Teil der Natur und lebten in Beziehung zu ihrer Umwelt, nicht als Herrscher über sie.

Doch mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau vor etwa 10.000 Jahren veränderte sich etwas Grundlegendes: Land wurde abgesteckt, Vorräte gehortet – Eigentum entstand, und mit ihm wuchsen Hierarchien. Wo einst alles gemeinschaftlich geteilt wurde, gab es nun Meins und Deins. Neue Weltbilder förderten die Trennung von Mensch und Natur und rechtfertigten die aufkommende Ungleichheit. Im Laufe der Zeit wurden Tausch und Verpflichtungen immer stärker abstrahiert: Aus direkten Beziehungen wurden Zahlen in Kontobüchern, aus Gesichtern wurden Rollen. Geld trat seinen Siegeszug an – nicht nur als praktisches Tauschmittel, sondern auch als Instrument, um Arbeit, Tribute und Schulden effizient zu verwalten.

Heute leben wir in einer Finanzwelt, die sich scheinbar verselbstständigt hat. Kapital bewegt sich virtuell rund um den Globus, losgelöst von konkreten Orten und Gemeinschaften. Algorithmen handeln in Sekundenbruchteilen mit abstrakten Finanzprodukten, während der Mensch oft nur noch als Zahl – als Kreditwürdigkeit oder Kennziffer – erscheint. Beziehungen drohen zur bloßen Transaktion zu werden. Wir spüren die Folgen dieser Entfremdung: Wo alles zur Ware wird, geht das Gefühl für Sinn und Miteinander verloren.

Doch diese Trennung ist kein unabänderliches Schicksal. Sie entstand durch menschliche Entscheidungen – und genau deshalb können wir uns auch anders entscheiden. Was wäre, wenn Geld nicht länger Trennendes symbolisiert, sondern zum Mittel der Verbindung wird? Wenn wir beginnen, unsere Beziehungen – zu uns selbst, zu anderen, zur Natur – wieder in den Mittelpunkt zu stellen, erweitern sich die Möglichkeiten für unsere Zukunft enorm. Fatalistische Annahmen über „die Natur des Menschen“ verlieren ihren Griff, sobald wir erkennen: Wir können unsere Geschichte neu erzählen und gestalten.

Alles ist Beziehung – Einladung zu einem lebendigen Workshop

Genau hier setzt der Workshop „Geld, Sinn und Verantwortung“ an. Vom 2. bis 5. Oktober treffen sich Interessierte in der Gemeinschaft Tempelhof, um gemeinsam einen Weg vom Kopf über den Körper ins Herz zu gehen.

Der Ablauf folgt dem U-Prozess nach Otto Scharmer, der transformative Veränderungen in drei Hauptphasen führt: Zunächst schauen wir ehrlich und ohne Vorurteile auf den Ist-Zustand – unsere individuelle und kollektive Realität in Bezug auf Geld und Bedeutung. Dann tauchen wir, gut begleitet, in eine Phase des Loslassens und Tieferspürens ein (Scharmer nennt dies Presencing, das Horchen auf die innere Quelle). Und schließlich lassen wir aus dieser Tiefe heraus neue Einsichten in konkrete Handlungsschritte und Projekte fließen. So wird der Weg des „U“ zu einer Reise, die uns erst nach innen und dann gestärkt nach außen führt.

Im Verlauf des Wochenendes durchlaufen die Teilnehmenden verschiedene Erfahrungsräume:

  • Historischer und kultureller Kontext: Zu Beginn werfen wir einen Blick auf die großen Fragen der Menschheitsgeschichte rund um Geld, Schulden und Gemeinschaft (inspiriert u. a. von den Perspektiven Graeber/Wengrow). Dieses gemeinsame Verstehen schafft einen Boden, auf dem Neues wachsen kann.
  • Körper und Biografie: Durch körperliche Übungen, Achtsamkeit und biografische Reflexion spüren wir unseren eigenen Erfahrungen mit Geld, Schuld, Scham, Fülle und Mangel nach. Wie fühlt sich Geld körperlich an? Welche Geschichten aus unserem Leben prägen unser Verhältnis dazu? In der vertrauensvollen Gruppe können solche Fragen bewegt und geteilt werden.
  • Interaktive Experimente: Immer wieder laden ungewöhnliche Austauschformate dazu ein, Geld und Wert anders zu erleben. Zum Beispiel erproben wir in einer Tauschbank spielerisch den direkten Tausch von Fähigkeiten oder Dingen. In einer Potenzialbörse entdeckt jeder, was er der Gemeinschaft anbieten kann – und was er von anderen brauchen darf. In einer Übung des stillen Gebens und Nehmens begegnen sich zwei Menschen im Augenkontakt, während ein Geldbetrag wortlos von einer Hand in die andere wandert – ein kleines Ritual, das große Wirkung zeigt. Solche Interaktionen öffnen Herz und Augen dafür, dass Wert immer im Auge des Betrachters entsteht und Geben ebenso bedeutsam sein kann wie Nehmen.
  • Kreative Impulse und Projekte: Kreativität durchdringt das Wochenende – sei es in künstlerischen Ausdrucksformen oder im gemeinsamen Spinnen neuer Ideen. In der Abschlussphase geht es darum, die gewonnenen Einsichten in konkrete Impulse für den Alltag umzusetzen. Welche Projekte möchten wir aus der neu gewonnenen Verbundenheit heraus anstoßen? Was nimmt jeder für sein eigenes Leben mit? Hier werden Visionen greifbar gemacht und nächste Schritte verabredet, damit das Erlebte nachhaltig nachwirken kann.

Zentrales Motiv des Workshops ist der Satz: Alles ist letztlich Beziehung – zur Natur, zu anderen, zu mir selbst. In Beziehung entstehen Vertrauen, Teilhabe und Kooperation wie von selbst. Dieses Wochenende schafft einen Raum, in dem wir genau das erfahren können: Wir treten in lebendige Beziehung – zu unseren eigenen Werten und Bedürfnissen, zu den Menschen um uns herum und zu den Geschichten, die wir gemeinsam schreiben wollen. Aus solcher Verbundenheit erwachsen neue Kraft und Klarheit, um dem Gefühl der Entfremdung in unserer Zeit etwas entgegenzusetzen.

Fühlen Sie sich angesprochen? Wenn Sie inmitten der Herausforderungen unserer Zeit Freude an echter Begegnung, sinnstiftender Gemeinschaft und verantwortungsvollem Handeln verspüren, sind Sie herzlich eingeladen, an „Geld, Sinn und Verantwortung“ teilzunehmen. Lassen Sie uns gemeinsam aufwachen aus alten Mustern und eine Kultur des Verbundenseins gestalten.

Unser gesamtes Veranstaltungsprogramm mit vielen spannenden Seminaren für den Herbst und Winter finden Sie hier: Veranstaltungskalender Schloss Tempelhof.

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