Wenn eine neue Zeit nach neuen Antworten fragt

Vom Wandel in der Welt zum Wandel in uns selbst – diesem Wandel gehen wir bezogen auf Arbeit und Business nach. Wirtschaft und Arbeitswelt sind massiv vom Wandel betroffen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, das Neue ist noch nicht in Sicht. Was bedeutet diese neue Zeitqualität für den einzelnen Menschen?

Wir sehen darin eine Einladung, genauer hinzuschauen: Was in meinem bisherigen Leben gehört noch zu mir – und was ist inzwischen zu eng geworden? Welche Vorstellungen davon, wie ich leben, arbeiten oder erfolgreich sein sollte, stammen aus einer Vergangenheit, die sich bereits verändert hat? Und was möchte sich durch mich entwickeln, wenn ich nicht sofort versuche, eine fertige Antwort darauf zu finden?
Rainer Maria Rilke hat einmal einem jungen Dichter einen bemerkenswerten Rat gegeben: „Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“ Wir mögen diesen Gedanken, weil er so wenig nach Methode klingt. Er verlangt nicht, dass wir uns möglichst schnell entscheiden, unsere Vision formulieren oder einen perfekten Plan entwickeln. Er lässt offen, dass manches erst entstehen muss, bevor wir wissen können, was es ist.

Herzensbusiness

Woraus schöpfen, wenn die Welt im Außen keine Verlässlichkeiten mehr liefert? Wir meinen: Aus dem Herzen. So ist „Herzensbusiness“ zu unserem Anliegen geworden. Da geht es nicht um die Frage, was sich gut verkaufen lässt. Sondern: Was möchte durch mich in die Welt kommen? Was ist mein ureigenes Potential, meine besondere Art wahrzunehmen, zu gestalten, zu begleiten, zu denken oder zu erschaffen – und wie kann daraus eine Form entstehen, die zugleich meinem Inneren entspricht und in der Welt Bestand haben kann? Uns im besten Fall auch Einnahmen generiert?

Dafür braucht es manchmal einen anderen Ort als den, an dem wir sonst funktionieren. Einen Ort, an dem wir langsamer werden dürfen, an dem nicht sofort die nächste Aufgabe wartet und an dem wir für eine Weile aus den gewohnten Denk- und Handlungsschleifen aussteigen können. Denn oft wissen wir erstaunlich viel über das, was wir tun sollten, und verlieren gerade dadurch den Kontakt zu dem, was wir tatsächlich wollen.

Business-Retreat

Mit einem Business Retreat im Schloss Tempelhof möchten wir einen solchen Raum öffnen: einen Raum zum Innehalten, Wahrnehmen und Lauschen – auf das, was in uns bereits angelegt ist, und zugleich auf das, was aus einer möglichen Zukunft auf uns zukommen möchte.

Ein wesentlicher Weg dabei ist die Theorie U von Otto Scharmer. Sie beginnt nicht mit der schnellen Suche nach einer Lösung, sondern mit dem bewussten Wahrnehmen dessen, was ist, dem Zurücktreten aus den vertrauten Mustern und einer Bewegung hin zu jenem tieferen Punkt, an dem wir nicht mehr ausschließlich aus der Vergangenheit heraus handeln. Scharmer beschreibt diesen Moment als Presencing: eine Verbindung mit der höchsten Zukunftsmöglichkeit, die sich zeigen und durch unser Handeln verwirklichen möchte.

Das lässt sich sehr persönlich verstehen: Nicht irgendeine abstrakte Zukunft wartet darauf, von uns verwirklicht zu werden, sondern eine Möglichkeit, die mit unserem eigenen Leben verbunden ist – mit dem, was wir mitbringen, was uns bewegt und was durch unsere Anwesenheit überhaupt erst Wirklichkeit werden kann.

So wird aus dem Retreat kein weiterer Ort, an dem wir noch mehr Wissen über Business anhäufen, sondern ein offener Raum, in dem sich etwas sortieren und neu verbinden darf: das eigene Potential, die innere Quelle, die Wahrnehmung des größeren Feldes und schließlich die Frage, welche konkrete Form daraus entstehen möchte.

Und irgendwann geht es dann wieder nach oben aus dem U: aus der Stille zurück ins Leben, aus der Erkenntnis in die Verkörperung, aus einer Ahnung in einen ersten gangbaren Schritt.

Vielleicht ist das gerade eine der wesentlichen Fähigkeiten in einer Zeit des Wandels: nicht alles im Voraus wissen zu müssen und trotzdem handlungsfähig zu werden. Nicht gegen die Unsicherheit anzukämpfen, sondern ihr einen Raum zu geben, in dem sich etwas zeigen kann. Und nicht einfach das Alte in neuen Formen fortzuschreiben, sondern aufmerksam genug zu werden für das, was tatsächlich neu werden möchte.

Gemeinschaft kann ein solcher Raum sein. Nicht nur als Ort, an dem wir gemeinsam auf gesellschaftliche Veränderungen schauen, sondern als lebendiges Feld, in dem wir uns gegenseitig dabei unterstützen, die eigenen nächsten Entwicklungsschritte zu finden. Denn Veränderung geschieht immer zugleich im Großen und im Kleinen: in den Strukturen, die wir gemeinsam gestalten – und in den einzelnen Menschen, die beginnen, ihr Leben und Wirken aus einer anderen inneren Quelle heraus zu gestalten.

Vielleicht beginnt Wandel genau dort. Nicht mit der großen Antwort. Sondern mit einer Frage, die wir ernst genug nehmen, um ein Stück weit mit ihr zu leben.

Herzlich,

Birgit Schaldecker & Yvonne Lager

Business Retreat – dem eigenen Potential folgen, Zukunft erspüren und das, was durch uns in die Welt möchte, in eine lebendige Form bringen. 18. -21. Oktober 2026, Tempelhof

Business Retreat – Veranstalterinnen: B. Schaldecker/ Y. Lager – Schloss Tempelhof

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