Erfahrungsfeld „Geld“

Unsere Sommerintensivzeit Anfang Juli war dem Thema Ökonomie gewidmet. Dies tun wir immer wieder – es geht dann um unsere persönliche ökonomische Situation, um die der Gemeinschaft und um Investitionen in die Infrastruktur. Unser kleiner, aber komplexer Gemeinschaftsorganismus ist ein wunderbares Feld, um wirtschaftliche und politische Zusammenhänge verstehen zu lernen, sind wir doch immer „Politiker“, „Unternehmerinnen“, „Kundinnen“ und „Bürger“, Gestalterinnen und Betroffene in einem. Und es geht bei den Entscheidungen oft nicht um Peanuts, sondern, wie im Fall unserer Wärmeversorgung, um große Summen, um Abhängigkeiten von Banken, Märkten und politischen Rahmenbedingungen.

Geld ist mehr als Kaufkraft                              

Was mich am „Geld“ fasziniert, ist die Tatsache, dass es wie kaum ein anderes Medium in der Lage ist, innere Wahrheiten ans Licht zu bringen. Es zwingt uns in Selbstehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Wenn wir uns darin begegnen, dann entsteht das Vertrauen, das uns gemeinsam weitreichende Entscheidungen treffen hilft. Es scheidet Träumen vom wirklichen Wollen, es bringt uns an Ängste und Zweifel, Schuld und Scham, Selbstwert und tiefe Glaubenssätze und hilft, das Vertrauen ins Leben zu überprüfen. So ging es bei unserer Ökonomiezeit weniger um Rechnen als vielmehr um unsere persönliche innere Verfassung, gebunden an konkrete Entscheidungsnotwendigkeiten. Zwei große Entscheidungen stehen an, die an unserer Ökonomie „rütteln“: Ein Solidarsystem für ältere Gemeinschaftsmitglieder mit nicht ausreichender Rente und die Weiterentwicklung unserer Wärmeversorgung.

Uns mit der Innenseite von Geld zu konfrontieren, haben wir in der Gemeinschaft von Anfang an praktiziert und damit allmählich ein Ver-Mögen geschaffen, das in keiner Rechnung und betrieblichen Bilanz auftaucht. Meine Erinnerungen an Wolfgangs legendäres Geldspiel im ersten Gemeinschaftsjahr sind noch sehr lebhaft. Es hatte bei mir eine nachhaltige Wirkung und letztlich meine Experimentierfreude an diesem Thema geweckt. „Geld macht frei“ – ja, in einem doppelten Sinn: Es steht nicht nur für Gestaltungsmöglichkeiten, sondern für einen Weg, sich von innerem Ballast frei zu machen. Der freimütige Austausch darüber ebnet den Weg in eine tiefere Verbundenheit, die uns jenseits faktischer finanzieller Ungleichheiten zusammenhält. Und darum geht es immer wieder in unseren Ökonomie-Intensivzeiten.

MarieLuise Stiefel

PS: Wer mit Wolfgang Sechser ebenfalls in das Erfahrungsfeld „Geld“ tiefer eintauchen möchte, hat dazu kurzfristig die Möglichkeit im Workshop „Geld-Sinn-Verantwortung. Wie kann Frieden gelingen“, der vom 30.7. bis 2.8. stattfindet. Es sind noch Plätze frei. Info und Anmeldung unter: https://booking.seminardesk.de/de/schloss-tempelhof/3bbcee08605b4536a08ccb3a3eaaa77c/geld—sinn—verantwortung-wie-kann-frieden-gelingen

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