Begegnungen mit Helge Antoni
„Du bist der beste Pianist am ganzen Tempelhof“! – so der 7jährige Luca, der mit seinen zwei gleichaltrigen Kumpels am Mittagsbuffet in unserem Dorfhaus stand und Helge Antoni am Ärmel zupfte, als dieser gerade seinen Teller füllte. Helge, ein international renommierter schwedischer Künstler am Klavier, hatte den Vormittag mit den Kindern unserer Schule verbracht und in kürzester Zeit viele Freunde gefunden.
Wie immer bei uns in Tempelhof die Dinge so entstehen: Da kennt ein Schulvater einen interessanten, schwedischen Pianisten, eben diesen Helge Antoni*. Erlebt ihn als sehr offen und zugewandt… will ihn schon immer mal einladen… erzählt davon der „richtigen“ Person… wir Tempelhöfer wollen uns anlässlich unseres 15jährigen Jubiläums mal was ganz Besonderes gönnen… und so kam es, dass in unserem ländlich abgeschiedenen Dorf am 2. Mai ein ganz außergewöhnliches Konzert stattgefunden hat.
Dem voraus ging der Vormittag in der Schule. Wir wollten auch für Kinder und Jugendliche eine Möglichkeit schaffen, ihn kennenzulernen und bestenfalls auch den eigenen Zugang zu unserer hunderte von Jahren alten europäischen Musikkultur ermöglichen. Ein Experiment – wir waren gespannt, wie die Kinder auf ihn, sein Klavierspiel, seine Persönlichkeit, seine Ausstrahlung und seine Botschaft reagieren würden.

Die Kraft eines authentischen Geistes
Es war eine Freude, ihm dabei zuzusehen, wie direkt, unkompliziert und ansprechend er mit den Schülern und Schülerinnen jeden Alters in Kontakt ging – kleine Klavierstücke präsentierte, Geschichten darüber erzählte, und durch Persönliches, Berührendes die Herzen vieler junger Menschen erreichte. Seiner Einladung zum Konzert am Abend folgten viele und manche Eltern wurden von ihren Kindern noch zu einem gemeinsamen Konzertbesuch überredet.

Dieser Klavierabend in der vollbesetzten Kapelle war für die Anwesenden sehr berührend, tiefgehend und nährend. Auf unvergleichliche Weise schaffte es Helge, uns mitzunehmen auf eine Reise mit klassischer Musik durch vier Jahrhunderte, in einem Spannungsbogen von bekannten Melodien bis zu modernen, überraschenden Kompositionen, gegen Ende immer leiser und stiller werdend, die Räume zwischen den Klängen immer bedeutsamer …und die einsetzende Dämmerung intensivierte das Hörerlebnis in der Kapelle.
Wir sind einem Menschen begegnet, der seine Berufung lebt, ohne Allüren, authentisch und in sich ruhend, jedem auf Augenhöhe begegnend, mit einer unglaublich wohlwollenden herzlichen Ausstrahlung. So, stellen wir uns vor, werden Kinder, wenn sie ihren innewohnenden Impulsen folgen dürfen, wenn ihnen mit Vertrauen und Zutrauen begegnet wird und sie in ihrem natürlichen Streben gefördert werden.
Eine erfüllende Begegnung, die noch lange nachwirkt.
Eika Bindgen und MaLu Stiefel







