6_Foto Vielfalt Maria

Jetzt, nach der kargen Winterzeit werden wir mit der Fülle des Frühlings beschenkt. Ich kenne niemand, der sich an der Vielfalt der Pflanzen, Farben und Formen nicht erfreut. Mir ist noch niemand begegnet, der in der Blumenwiese steht und kritisiert, dass die Farben und Formen nicht zusammenpassen. Das wäre einfältig.

Was ist denn das Gegenteil von Vielfalt, das müsste doch die Einfalt sein.

Nehmen wir an, mehrere Menschen arbeiten an einem Projekt und es kommt eine Phase, in der sich nichts mehr entwickelt, das Projekt ist festgefahren, weil jeder eine andere Vorstellung hat, wie es weitergehen soll. Jeder hat den Gedanken: Es wäre so einfach, wenn wir uns auf meine Idee einigen würden, sie ist die beste. Denkt jeder so, wird die Sache einfältig. Um doch noch zu einem Ergebnis zu kommen, wird dann meist herum geschnippelt und da und dort wieder etwas angesetzt, ein bisschen gezogen und eine neue Farbe drauf gesetzt, solange bis jeder irgendwie mitgehen kann.  Das Projekt wurde auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gewirtschaftet.

Nur, –  so ein Projekt ist niemals brillant, es hat keine Strahlkraft.

Genauso ist es uns am Tempelhof ergangen, als wir ein Wohnhaus bauen wollten. Ein Architekt hat uns einen wunderbaren Entwurf gemacht. In unserer gut meinenden Vielfalt haben wir uns an den Entwurf heran gemacht, um ihn noch besser für unseren Zweck zu vollenden.  Das Haus sollte ein wenig kleiner werden, dann waren die Zimmer zu klein und sollten größer werden, dann war es manchem zu wenig ökologisch, dann ist es etwas zu teuer geraten, dann war die Dämmung nicht ausreichend……. der Architekt war mittlerweile abgesprungen. Wir haben weiter gemacht, nach einem Jahr etwa, war es dann so weit, dass alle Beteiligten, die an dem Haus gestaltet haben, in etwa zufrieden waren. Im Dorfplenum wurde abgestimmt, ob wir das Haus nun so bauen sollten. Es gab so viele Vetos, wie ich es noch nicht erlebt habe. Das Haus war ein wenig einfältig geworden, vom ursprünglichen Entwurf war  nichts mehr zu sehen und zu spüren, es war eben ein einfältiges Haus.

Da sind wir gescheitert, aber wir lernen auch daran.

Was macht nun die Vielfalt, wenn sie vor einer Idee/ einem Projekt steht, das einfach in sich schon vollendet, brillant und strahlend ist? Auch die Vielfalt kann sich davor demütig nur einfach verneigen und spüren, dass es da nichts gibt, in das sich Vielfalt einmischen sollte. Da üben wir noch.

Dann gibt es Projekte, die sich aus der Vielfalt heraus entfalten. Da gibt es eine Idee und unser vielfältiges Können und Wissen trägt bei, die Idee, das Projekt zu bereichern, anzureichern mit den anderen Ideen, zusammen zu verschmelzen und ein großes Ganzes, Überzeugendes zu gestalten und zu kreieren.

Das ist der Königsplan des Vielfaltwirkens, da wirkt Geben und sich Zurücknehmen, um einem größeren Ganzen zu dienen.

Da sind wir auch noch am üben.

Vielleicht kann ich ein nächstes Mal schon etwas berichten, aber das ist noch nicht versprochen.