Wieso zahlen GasthelferInnen bei uns in der ersten Woche 23 Euro am Tag?

Immer wieder werden wir gefragt, wieso man auch noch zahlen muss, wenn man bei uns hilft.

Wer den Aufenthalt bei uns als reine Arbeitsbeziehung sieht, hat vollkommen recht mit der Frage. Dann wäre es aber sowieso falsch, zu uns als Gasthelfer zu kommen. Der Gasthelfermodus ist in erster Linie dazu da, Interessenten eine Möglichkeit zu geben, uns kennen zu lernen.

Wir sind ein Projekt im Aufbau, wir haben enorme Kosten für Renovierungen, Neubauten, Heizung, Strom usw.  und  unsere einzelnen Arbeitsbereiche und Projekte haben nicht so große Budgets, dass sie allen Helfern von vornherein die Kosten für Kost und Logis finanzieren können. Wo soll das Geld denn herkommen?  Wir können eine Bezahlung dieser Kosten noch nicht leisten und würden ohne Gasthelfer in unserer Arbeit eben mit unseren Möglichkeiten vorangehen.

Wir halten ein großes Projekt am Laufen, und  es gibt neben den Projekten (Küche/Veredelung, Landwirtschaft/Gärtnerei, Bau, Veranstaltungsbetrieb) viele Arbeiten, die nicht so sichtbar, aber doch notwendig sind, sei es das Rasenmähen, die Pflege der Bäume und Sträucher, das Fegen der Wege, das Sauberhalten der gemeinschaftlich genutzten Gebäude, die Entsorgung des Mülls und noch viel mehr „kleine“ Arbeiten, die auch erledigt werden wollen.  Diese und viele andere Aufgaben leisten wir Dorfbewohner größtenteils in unbezahlter Gemeinschaftsarbeit. Und natürlich zahlen wir BewohnerInnen alle auch für Wohnen und Essen.

Wenn Menschen hierher kommen und uns zeitweise helfen und für ihre Kosten wie wir Bewohner des Tempelhofes selber aufkommen, dann ist dies auch eine Form der Unterstützung für unser Zukunftsprojekt.

Ohne unsere Aufbauarbeit gäbe es für Interessenten die Option „ Am Tempelhof leben“  gar nicht. Wer sich überlegt, sich unserer Gemeinschaft anzuschließen,  könnte die Kosten auch als Investition in seine eigene Zukunft(svision) betrachten.

Wem es nicht gelingt, sich an solche Sichtweisen heranzutasten, der wird am Tempelhof nicht glücklich.

Was geben wir?

Unsere Projektverantwortlichen, bei denen die Gasthelfer mitarbeiten, haben stets, unabhängig davon, wie kompetent und geschickt jemand ist, erst einmal einen Mehraufwand an Zeit, um die Helfer einzuarbeiten. Denn ein Gasthelfer weiß am Anfang nicht, wo was zu finden ist,  kennt das Gelände nicht etc.  Soweit es das Budget eines Arbeitsbereiches erlaubt und die Verantwortlichen den Eindruck haben, dass ein Gasthelfer ohne große Einweisung sofort kompetent und selbstständig mitarbeiten kann, kann es sein, dass bereits für die erste Woche schon Kost und Logis übernommen werden.  Doch damit kann nicht von vornherein gerechnet werden.

Wir  öffnen unser Gemeinschaftsleben den Gasthelfern und ermöglichen einen ungeschönten Einblick in unseren Alltag,  in nahezu unser gesamtes Binnengeschehen. Das kostet uns auch etwas, was man in Euros nicht beziffern kann. Wir Bewohner haben am Tempelhof keinen Kontaktmangel und versuchen doch, Woche für Woche, uns auf neue Menschen, die mit uns unseren Lebensraum teilen, einzustellen, ihre Fragen zu beantworten, mit ihnen  als Menschen in Kontakt zu gehen. Ein Gasthelfer ist  ja nicht nur z.B. gelernter Schreiner oder  begeisterte Hobbygärtnerin, sondern ein ganz individueller Mensch, der uns zunächst unvertraut ist und auf den wir uns vor allen Dingen auf zwischenmenschlicher Ebene einlassen. So ist es möglich, viele individuelle Sichtweisen zum Tempelhofleben kennen zu lernen.

Gasthelfer können an vielen unserer internen Veranstaltungen und Treffen teilhaben, erhalten am Beginn der Woche eine Einführung in das Projekt und eine Führung durch das Gelände. Gegen Ende der Woche gibt es ein Gasthelfer-Sozialtreffen, wo alles, was  so im Laufe der Woche erlebt wurde und alle entstandenen Fragen gehört und besprochen werden können.

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